Vorsicht F?lschung

Hintergrund-Informationen zu Arzneimittel­f?lschungen

Wir geben Antworten auf die h?ufigsten Fragen.

Die F?lschung von Arzneimitteln lohnt sich für Kriminelle. Sie nutzen den guten Ruf der Produkte und der Marken des Originalherstellers – die dieser durch die Qualit?t seiner Medikamente sehr aufwendig geschaffen hat – für ihre Zwecke aus. Dem F?lscher kommt es vor allem darauf an, ein ?u?erlich dem Original m?glichst ?hnliches Produkt zu vertreiben, nicht aber die ordnungsgem??e Beschaffenheit des Inhalts. In vielen L?ndern ist das Risiko für die T?ter relativ gering, verfolgt und bestraft zu werden. Daher kann die F?lschung von Arzneimitteln lukrativer sein, als etwa Drogenhandel. Die Organisation der kriminellen Strukturen kommt dem allerdings schon sehr nah.

Haben Sie noch Fragen? Hier finden Sie Antworten und Hinweise rund um Medikamentenf?lschungen:

Wer ist von F?lschungen betroffen?

Was Geld bringt, wird auch gef?lscht. Das betrifft patentgeschützte Arzneimittel genauso wie so genannte ?Generika“. Besonders lukrativ für dubiose Gesch?ftemacher sind teure rezeptpflichtige Arzneimittel etwa für die AIDS- und Krebstherapie. Insbesondere in Entwicklungsl?ndern, wo Medikamente für viele Menschen unerschwinglich sind, sind Antibiotika am h?ufigsten betroffen. In Industriel?ndern stehen dagegen auch zunehmend ?Lifestyle“-Produkte wie etwa Potenzmittel ganz oben auf der Liste. Deshalb ist jeder Patient zumindest theoretisch in Gefahr, auch wenn es nationale Unterschiede gibt. Deutsche Patienten beispielsweise sollten sich über den Bezug von Arzneimitteln über das Internet informieren, sowie beim Erwerb auf Auslandsreisen besonders vorsichtig sein.

Was sind F?lschungen?

Tabletten in einer Sichtverpackung

Als F?lschungen bezeichnen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der internationale Pharmaverband (IFPMA) Arzneimittel, die hinsichtlich ihrer Identit?t und/oder Herkunft vors?tzlich und in betrügerischer Absicht falsch gekennzeichnet sind. Hierbei geht es vor allem um Arzneimittel, die so, wie sie dem Patienten angeboten werden, entweder gar nicht oder zumindest nicht in der Form vom Originalhersteller stammen. Ausgenommen sind einige nachtr?gliche Ver?nderungen, soweit diese ordnungsgem?? und rechtm??ig erfolgten, wie beispielsweise bei Parallel- oder Reimporten. Die Spanne der Plagiate reicht von Totalf?lschungen, die g?nzlich vom Betrüger hergestellt wurden, bis zu Originalprodukten, bei denen das Verfallsdatum verl?ngert wurde. Beispiele für Arzneimittelf?lschungen sind Medikamente, die

  • den richtigen Wirkstoff, aber in zu hoher oder zu niedriger Dosierung beinhalten,
  • hinsichtlich des Verfallsdatums manipuliert wurden,
  • keinen Wirkstoff aufweisen,
  • einen anderen als den angegebenen Wirkstoff enthalten oder
  • mit gef?lschten Verpackungen, Blistern und/oder Beipackzetteln angeboten werden.

Ein solches ?Arzneimittel“ ist leider in vielen F?llen nicht ohne genaue Inspektion zu erkennen. Bei einem Verdacht sollten sich Verbraucher daher am besten an ihren Arzt, Apotheker oder auch an den Originalhersteller wenden.

F?lschungen von Generika

Echte Generika sind geprüft. Zunehmend bieten kriminelle Organisationen aber auch Produkte an, die angeblich gleichwertig mit bestimmten Originalpr?paraten oder deren Wirkstoffen sind. Um einem Missverst?ndnis gleich vorzubeugen: ?Generika“ sind zugelassene Medikamente, die nach Ablauf des Patentschutzes des ursprünglichen Herstellers unter anderem Namen aber in vergleichbarer Qualit?t von namhaften Herstellern angeboten werden. Doch auch Generikahersteller k?nnen Opfer von F?lschern werden.

Die wichtigste Regel ist auch hier: Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen nie ohne Vorlage eines Rezepts verkauft werden. Personen oder Webseiten, die einen Ersatz für bestimmte Medikamente anbieten und behaupten, diese seien gleichwertig mit einem Originalpr?parat, betrügen wom?glich. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt, Apotheker oder dem Originalhersteller über die Qualit?t zweifelhafter Offerten.

Welche Risiken bestehen für die Gesundheit?

Menschen nehmen Medikamente, um Krankheiten zu behandeln und gesund zu werden. Einem Arzneimittelf?lscher ist das egal. Für seine Zwecke kommt es nicht darauf an, ein Arzneimittel anzubieten, dass dem Original qualitativ gleichwertig ist. Selbst wenn die F?lschung gewisse Wirkstoffe enth?lt, ist die Qualit?t oder Quantit?t der Wirkstoffe meist niedriger als beim Originalpr?parat. Dadurch kann beispielsweise eine Impfung oder ein Testergebnis versagen, oder es kommt zu einer Resistenz gegen den eigentlichen Wirkstoff. Der Gesetzgeber schreibt daher ein aufwendiges Verfahren für die klinische Prüfung, Zulassung und Nachbeobachtung von Arzneimitteln vor.

In extremen F?llen fügt der F?lscher seinem Produkt darüber hinaus gef?hrliche, teils auch toxische Stoffe bei, um eine Schein-Wirkung (genauer: eine Nebenwirkung und keine heilende Wirkung) entsprechend der üblichen und bekannten Wirkung des Originalmedikaments zu erreichen und Originalit?t vorzut?uschen.
Letztlich ben?tigen Patienten verl?ssliche, verst?ndliche Informationen über die Indikation, die Anwendung und Dosierung ihrer Medikamente, selbst bei originalem Inhalt. Dafür gibt es die Rezeptpflicht. Sie soll vor erheblichen Gefahren und Sch?den eines Medikaments schützen. Der verschreibende Arzt und/oder Apotheker kl?rt den Patienten über die Anwendung, die richtige Dosierung und m?gliche Nebenwirkungen des Pr?parats auf. Wer kein Rezept für verschreibungspflichtige Produkte verlangt, umgeht diese sichere Beratung für den Patienten.

Apothekenpflicht besteht für besonders beratungsbedürftige Pr?parate. Obwohl diese nicht verschreibungspflichtig sind, darf nur pharmazeutisch geschultes Personal sie an den Endverbraucher abgeben. Patienten sollten Internetangeboten für solche Produkte nicht ungefragt trauen.

Das Problem weltweit

Illegaler Handel wird rund um den Globus betrieben. Nach Sch?tzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden weltweit j?hrlich 73 Milliarden Euro Umsatz mit gef?lschten Medikamenten gemacht. Dubiose Online-Anbieter von Medikamenten, die ihre wahre Adresse verschleiern, lieferten weltweit – auch nach Deutschland. Dabei handelt es sich bei den Angeboten der illegalen Internetapotheken – also illegale Online-Anbieter ohne gesonderte Zulassung – zu über 50 Prozent um F?lschungen.

Das Ausma? der Problematik h?ngt in den einzelnen L?ndern stark von der jeweiligen Region und tempor?ren Angeboten ab. Je schw?cher die rechtliche Aufsicht, desto gr??er ist das Problem insgesamt. Die WHO sch?tzt, dass in bestimmten Gebieten Afrikas, Asiens und Südamerikas mehr als 30 Prozent der gehandelten Arzneimittel F?lschungen sind. In bestimmten L?ndern des ehemaligen Ostblocks machen nach Ansicht der Experten Medikamentenf?lschungen über 20 Prozent aus. In Industriel?ndern wie in Europa und den USA sind dagegen weniger als ein Prozent der verkauften Arzneimittel gef?lscht.

Trotz dieser Zahlen sind Medikamentenf?lschungen in unserer globalisierten Welt nicht mehr nur ein Problem der Entwicklungsl?nder:
Im Jahr 2015 hat die deutsche Zollbeh?rde vier Millionen gef?lschte Pillen sichergestellt. Urlauber kaufen ganz selbstverst?ndlich Arzneimittel auf Auslandsreisen (und bringen diese teilweise illegal für Familienmitglieder und Bekannte nach Deutschland mit). Klassische Marktstrukturen und Handelswege werden liberalisiert, um durch zus?tzliche Anbieter das Preisniveau zu senken. Und nicht zuletzt hat das Internet den Vertrieb und Bezug der unterschiedlichsten Waren noch einmal erleichtert und globalisiert

Organisationen, Verb?nde, Beh?rden

Zusammenarbeit ist n?tig, denn Produktf?lschungen sind ein weltweites Problem, das nur l?nderübergreifend gel?st werden kann. Aber auch jeder einzelne Staat und jedes Unternehmen tr?gt im Sinne des Verbraucher- und Patientenschutzes Verantwortung. Wichtig ist, dass die Beh?rden F?lschungsaktivit?ten konsequent aufdecken und strafrechtlich verfolgen. In den kommenden Jahren sollen daher entsprechende nationale wie internationale Strukturen und Netzwerke ausgebaut sowie geeignete rechtliche Vorgaben geschaffen werden. Darüber hinaus gilt es, bei den betroffenen Institutionen, Beh?rden und auch K?ufern ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen – so wie es bei den Zollbeh?rden gr??tenteils bereits der Fall ist.

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